Gino Severini

Der Zug zwischen den Häusern (Studie Nr. 2), 1912/13

Der von Impressionismus und Kubismus beeinflusste Severini, neben Umberto Boccioni und Giacomo Balla einer der Hauptmeister des italienischen Futurismus, stellte dieses große Pastell 1913 in der von Herwarth Walden geführten Galerie „Der Sturm“ in Berlin aus. In kubistischer Bildsprache zeigt Severini hier einen Zug, der über eine Brücke in einer Stadt fährt. Das Aufeinandertreffen der effektvoll mit Weiß gehöhten kubischen Formen in der Landschaft und der Dampfwolken entfaltet eine Dynamik, durch welche die schnelle Bewegung des Zuges bildhaft in Szene gesetzt wird. An mehreren Stellen tauchen Fragmente von Schriftzügen auf – zum Beispiel „Hotel Universe“ und „Metro“ –, die wie im Vorbeifahren nur flüchtig im Stadtbild wahrgenommene Fetzen den Eindruck der Bewegung verstärken. Der ab 1899 in Rom wirkende Severini begriff seine Kompositionen als Bilder des ihn umgebenden städtischen Ambientes und versuchte neben der großstädtischen Hektik auch Anspielungen auf Gerüche und Töne ins Bild zu setzen, um konzentriert die Sinne des Betrachters zu schärfen.

Andreas Stolzenburg

Details zu diesem Werk

Pastell und Kohle auf Papier 525 x 645 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 1954-228 Sammlung: KK Zeichnungen, 20.-21. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk © VG Bild-Kunst, Bonn Foto: Elke Walford

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