Ernst Ludwig Kirchner

Hockender Mädchenakt (Fränzi), 1909/10

Mit wenigen Strichen umreißt Kirchner die Gestalt des jungen Mädchens, das mit hochgezogenen Knien vor einem Tuch oder Kissen hockt. Die Zeichnung gehört zu den frühen Aktdarstellungen aus den Jahren 1909/10, die im Atelier oder bei den gemeinsamen Badeurlauben der „Brücke“-Künstler an den Moritzburger Teichen entstanden. Ziel dieser spontan gezeichneten Modellstudien war es, den „Akt in seiner freien Natürlichkeit zu studieren“ (Kirchner), um die unmittelbare Bewegung und damit das wirkliche Leben zu erfassen. Zu den bekanntesten Modellen gehörten Fränzi und Marcella, deren Identität lange unbekannt war. Erst in den letzten Jahren fand man heraus, dass es sich bei Fränzi um die damals neunjährige Franziska Fehrmann (1900–1950) handelt. Die Jugendlichkeit und grazile Körperlichkeit der jungen Mädchen kam der neuen, kantig gebrochenen Zeichenweise Kirchners entgegen und faszinierte die Künstler angesichts der Ambivalenz von Unschuld und beginnender Sexualität – ähnlich wie Edvard Munchs Gemälde Pubertät (1895).

Petra Roettig

Details zu diesem Werk

Pinsel in Schwarz auf braunem Papier 430 x 333 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 1953-178 Sammlung: KK Zeichnungen, 20.-21. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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