Domenico Bernardo Zilotti, zugeschrieben, Zeichner

Landschaft

Die Zeichnung einer weiten Landschaft wurde wie Inv.-Nr. 1915-979 als Werk Guercinos angekauft. Diese bislang beibehaltene Einschätzung ist vor dem Hintergrund gesicherter Blätter des Bologneser Künstlers teilweise nachvollziehbar. Denn die für das Hamburger Blatt typische Leichtigkeit und Luftigkeit finden sich in ähnlicher Form auf Zeichnungen Guercinos, wenn auch zumeist nicht ganz so stark ausgeprägt. Vergleichbar sind auch ähnlich weiß belassene Partien, die große Helligkeit, z. B. gleißendes Sonnenlicht, suggerieren.(Anm. 1) Auch Gestaltungsmittel wie die zarte Behandlung des Hintergrundes und die kraftvollen Striche im Vordergrund stimmen überein. Trotz dieser Ähnlichkeiten ist die Zuschreibung an Guercino seit längerer Zeit abgelehnt worden. Untypisch für diesen erscheint vor allem die Eigenart, die Belaubung der Bäume nur anzudeuten sowie die etwas zu schwache Lavierung. Die luftige Darstellung der Bäume findet sich dagegen im Umkreis von Marco Ricci. Diesen Künstler hatte Iván Fenyö vorgeschlagen.(Anm. 2) Überzeugender scheint jedoch die Zuschreibung von Andrea Czére, die für den im Veneto tätigen Geistlichen Don Bernardo Zilotti plädierte.(Anm. 3) Für diesen sind neben offensichtlich feineren und differenzierteren Lösungen, wie einer Landschaft in Verona (Anm. 4), auch eine dem Hamburger Blatt entsprechende etwas gröbere und kräftigere Strichführung nachweisbar.(Anm. 5)
Sehr ähnlich zum Hamburger Blatt ist eine Zeichnung Zilottis in Bassano, die ebenfalls früher Guercino zugeschrieben worden ist.(Anm. 6) Vergleichbar sind das Format und die Staffelung der Komposition in die Tiefe; auch die Eigenart, die Berge partiell sehr hell zu belassen, sodass der Eindruck gleißenden Sonnenlichtes entsteht, ist übereinstimmend. Zudem sind die Schraffuren am Baumstamm ähnlich dicht und mit kräftigem Einsatz der Tinte angelegt.

David Klemm

1 Vgl. z. B. Budapest, Szépművészeti Múzeum, Inv.-Nr. 2320; vgl. Von Raffael bis Tiepolo. Italienische Kunst aus der Sammlung des Fürstenhauses Esterházy, hrsg. v. Istvan Barkoczi, Ausst.-Kat. Frankfurt a. M., Schirn Kunsthalle, Frankfurt a. M. 1999, S. 276–277.
2 Karteikartennotiz im Archiv des Kupferstichkabinetts.
3 Anlässlich des Symposiums „Italienische Altmeisterzeichnungen 1450 bis 1800“ am 27. und 28.10.2005 im Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle.
4 Verona, Museo di Castelvecchio, Inv.-Nr. 130152B485; vgl. Giorgio Marini unter Mitarbeit v. Giorgio Marinelli: I grandi disegni italiani del Museo di Castelvecchio a Verona, Mailand 2000, o. S., Nr. 52.
5 So partiell, vor allem im Vordergrund, auf einer Landschaftszeichnung in Madrid, Prado, Inv.-Nr. F.D. 1.787; vgl. Manuela B. Mena Marqués: Museo del Prado. Catálogo de Dibujos. VII: Dibujos Italianos del Siglo XVIII y del Siglo XIX. Madrid 1990, S. 160.
6 Museo Civico di Bassano, Inv.-Nr. Riva Nr. 152; vgl. Francesco Bortiluzzi: Bernardo Zilotti 1716-1783, Incisore Veneto del ‘700, Borso del Grappa 1994, S. 71, Nr. 2; Abb. 26; 327 x 490 mm, Feder in Braun.

Details zu diesem Werk

Feder in Braun; aufgezogen 276mm x 391mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 1915-980 Sammlung: KK Zeichnungen, Italien, 15.-19. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang, CC-BY-NC-SA 4.0

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