Edvard Munch

Madonna (Liebende Frau), 1895/1902

Diese 1895 entstandene Lithographie, die kompositorisch aus verschiedenen Gemäldefassungen hervorging (vgl. die Version in der Hamburger Kunsthalle, Inv.-Nr. HK-5015) und die Öffentlichkeit wegen ihres Titels provozierte, wurde zunächst nur schwarz-weiß gedruckt. Erst 1902 folgten farbige Fassungen, wobei die vorliegende erste Fassung die einzig vollständige ist, bei der auch der symbolträchtige Rahmen mitgedruckt wurde. Neben Der Schrei ist die Madonna wohl die bekannteste Bildidee Munchs. Sie zeigt eine sich mit geschlossenen Augen hingebende nackte Frau im Moment der Empfängnis, wobei die wellenförmige Aura des Hintergrundes die religiöse Anmutung verstärkt. Im gedruckten Rahmen weisen Spermatozoen und ein Embryo links unten sehr anschaulich auf die Entstehung des Lebens und den eigentlichen Sinn des Bildes hin. Munch beschrieb diesen in einem anderen Zusammenhang so: „Dein Angesicht enthält alle Zärtlichkeit der Welt – Es gleitet Mondschein über dein Gesicht, das voll von der Schönheit und dem Schmerz der Welt ist, […] weil der Tod dem Leben die Hand reicht […].“

Andreas Stolzenburg

Details zu diesem Werk

Kreide- und Pinsellithographie mit Schaber auf Stein in vier Farben 605 x 447 mm (Bild) 650 x 490 mm (Platte) 835 x 621 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 1915-478 Sammlung: KK Druckgraphik, 20.-21. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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